Worauf dieser Artikel beruht: Erläuterungen zur interdisziplinären Behandlung aus dem OKIJU-Ratgeber, dem BCRT-Ratgeber und dem Krebsinformationsdienst. Alle Quellen findest du am Ende.
Das erfährst du in diesem Artikel
- was ein Tumorboard ist und warum dein Fall dort besprochen wird
- welche Fachleute daran teilnehmen
- wie die Besprechung abläuft
- warum das bei seltenen Erkrankungen wie Knochensarkomen so wichtig ist
- ob du selbst dabei sein kannst und wie die Empfehlung zu dir kommt
Wozu gibt es ein Tumorboard?
Das Ziel ist, alle wichtigen Informationen zusammenzubringen: Untersuchungsergebnisse, Bilder und Gewebeproben. Gemeinsam wird geprüft, welche Schritte sinnvoll sind und in welcher Reihenfolge. Im Englischen heißt dieses Team „multi-disciplinary team“ (MDT) – eine Gruppe von Fachleuten, die Expert:innen für Knochenkrebs sind und deine Behandlung zusammen besprechen und steuern. Oft bekommst du außerdem eine feste Ansprechperson aus der Pflege, die dich durch Diagnose und Behandlung begleitet und für Fragen da ist.
Warum diese enge Zusammenarbeit gerade bei Knochensarkomen so zählt, bringt Prof. Dr. Uta Dirksen, Kinderonkologin an der Uniklinik Essen, auf den Punkt:
„Sowohl für die Diagnose als auch bei den verschiedenen Therapieschritten ist die enge Zusammenarbeit von spezialisierten Orthopäden, Chirurgen, Radiologen, Pathologen und Onkologen sowie die zeitliche Abstimmung der einzelnen Therapieschritte von entscheidender Bedeutung für den Erfolg.“
— OKIJU-Ratgeber, S. 8
Wer sitzt da alles am Tisch?
Bei Knochentumoren sind meist mehrere Fachrichtungen beteiligt:
- Kinder- oder medizinische Onkolog:innen – planen und begleiten die Chemotherapie.
- Tumororthopäd:innen und Chirurg:innen – beurteilen die Operation. Bekannte Sarkomchirurgen in Deutschland sind etwa Prof. Dr. Arne Streitbürger und Prof. Dr. Jendrik Hardes (WTZ Essen).
- Radiolog:innen – besprechen MRT-, CT- und Röntgenbilder und die Ausdehnung des Tumors.
- Patholog:innen – untersuchen die Gewebeprobe und sichern die Diagnose.
- Strahlentherapeut:innen – kommen dazu, wenn eine Bestrahlung infrage kommt (beim Ewing-Sarkom häufiger als beim Osteosarkom).
- AYA-Spezialist:innen & Pflegexpert:innen (z. B. „Clinical Nurse Specialists“) – achten darauf, dass bei Teenagern und jungen Erwachsenen auch Themen wie Fruchtbarkeit, Schule, Berufsausbildung und psychoonkologische Begleitung direkt mitgedacht werden.
Je nach Klinik nehmen auch Pflege, Psychoonkologie oder Sozialarbeit teil.
So läuft die Besprechung ab
Vor der Konferenz werden alle wichtigen Infos zusammengestellt. Während der Besprechung stellt ein Mitglied deines Teams deinen Fall vor, dann werden die Befunde diskutiert: Welche Behandlung wird empfohlen? In welcher Reihenfolge? Sind weitere Untersuchungen sinnvoll?
Ein extrem wichtiger Punkt im Tumorboard nach der Operation ist die Bewertung des sogenannten „histologischen Ansprechens“ (Tumornekrosegrad). Die Pathologie prüft dabei unter dem Mikroskop, wie viele Krebszellen durch die erste Chemo bereits abgestorben sind (gut ist ein Wert von über 90 %). Davon hängt ab, ob die postoperative Chemotherapie genau so weiterläuft oder angepasst werden muss. Am Ende hält das Tumorboard eine gemeinsame Empfehlung fest.
Warum das bei Knochensarkomen so wichtig ist
Osteosarkome und Ewing-Sarkome sind selten. Deshalb werden sie idealerweise in spezialisierten Zentren behandelt, meist nach einheitlichen Therapieprotokollen – beim Osteosarkom zum Beispiel nach denen der Cooperativen Osteosarkomstudiengruppe (COSS), beim Ewing-Sarkom nach eigenen Studienprotokollen. Tumorboards führen das Wissen verschiedener Fachrichtungen zusammen und berücksichtigen aktuelle Leitlinien. So sinkt das Risiko, etwas Wichtiges zu übersehen.
Kannst du selbst dabei sein?
In den meisten Kliniken sitzen Patient:innen nicht mit im Tumorboard – es ist eine fachliche Arbeitskonferenz. Über deinen Kopf hinweg entschieden wird trotzdem nichts: Nach der Konferenz bespricht dein Team die Empfehlung mit dir und erklärt die Hintergründe. Welche Behandlung durchgeführt wird, soll gemeinsam mit dir nach dem Prinzip des Shared Decision Making entschieden werden. Genau deshalb lohnt es sich, gut vorbereitet ins Gespräch zu gehen (siehe Artikel „Ich will mitreden im Arztgespräch„).
Das kannst du dir merken
- Im Tumorboard (englisch MDT) schauen mehrere Fachleute gemeinsam auf deine Befunde.
- Beteiligt sind u. a. Onkologie, Tumororthopädie/Chirurgie, Radiologie, Pathologie und ggf. Strahlentherapie.
- Bei seltenen Erkrankungen wie Knochensarkomen ist diese Bündelung von Wissen entscheidend für den Erfolg.
- Osteosarkome werden meist nach COSS-Protokollen behandelt, Ewing-Sarkome nach eigenen Studienprotokollen.
- Du sitzt nicht mit am Tisch, aber die Empfehlung wird dir erklärt – und die Entscheidung fällt gemeinsam mit dir.
- Oft hast du eine feste Ansprechperson aus der Pflege, die dich begleitet.
Quellen & weiterführende Infos
- OKIJU-Stiftung – Ratgeber „Knochenkrebs bei Kindern und Jugendlichen“ (2025); fachlich begleitet u. a. von Prof. Dr. Uta Dirksen, Prof. Dr. Arne Streitbürger und Prof. Dr. Jendrik Hardes (WTZ Essen) sowie Prof. em. Dr. Heribert Jürgens (Uniklinik Münster) okiju-stiftung.de
- Bone Cancer Research Trust (BCRT) – „Your guide to osteosarcoma“ – Ratgeber speziell für 16- bis 24-Jährige (UK, 2024, englisch) bcrt.org.uk/osteosarcoma
- Kinderkrebsinfo / GPOH – Informationsportal der Gesellschaft für Pädiatrische Onkologie und Hämatologie zu Osteosarkom und Ewing-Sarkom kinderkrebsinfo.de
- Krebsinformationsdienst (DKFZ) – unabhängige Infos zu Diagnose, Nebenwirkungen, Nachsorge und Selbsthilfe krebsinformationsdienst.de