Worauf dieser Artikel beruht: Empfehlungen zur Supportivtherapie aus dem OKIJU-Ratgeber und dem BCRT-Ratgeber sowie den Nachsorge-Infos von LESS (UKSH Lübeck). Alle Quellen findest du am Ende.
Das erfährst du in diesem Artikel
- welche Beschwerden du sofort melden solltest
- was bei Übelkeit, Geschmack und wundem Mund hilft
- warum Erschöpfung (Fatigue) etwas anderes ist als Müdigkeit
- was bei Haarausfall hilft und was hinter „Chemo-Brain“ steckt
- worauf du beim betroffenen Knochen achten musst
Fieber: Ruf lieber einmal zu früh an
Während der Chemo kann deine Abwehr geschwächt sein, weil bestimmte weiße Blutkörperchen (Neutrophile) fehlen, die dich vor Infektionen schützen. Deshalb ist Fieber ein Warnzeichen: Es kann eine Infektion bedeuten. Bei einer sogenannten febrilen Neutropenie bekommst du im Krankenhaus schnell Antibiotika über die Vene. Zusätzlich nutzt das Team oft kleine Spritzen unter die Haut (sogenannte G-CSF-Wachstumsfaktoren), um deine Blutbildung wieder auf Trab zu bringen. Dein Behandlungsteam gibt dir eine Nummer, die du dann anrufen sollst – tu das auch, statt abzuwarten.
- Speichere die Nummer von Station oder Ambulanz im Handy, mit deiner persönlichen Fiebergrenze daneben.
- Halte ein Thermometer bereit und miss nach, wenn du Schüttelfrost hast.
- Nimm fiebersenkende Mittel nur so, wie es dein Team mit dir abgesprochen hat.
Frag vor der Entlassung: „Ab welcher Temperatur soll ich anrufen – und welche Nummer gilt nachts und am Wochenende?“
Wenn Übelkeit und Geschmack den Tag bestimmen
Übelkeit kann auftreten, auch wenn du schon etwas dagegen bekommst. Ein paar Dinge, die helfen können: kleine Portionen über den Tag verteilt, eher milde Speisen und nichts allzu Fettiges oder stark Gewürztes. Beim Essen fernsehen, frische Luft und reichlich trinken hilft auch gegen die Übelkeit. Wird der Mund empfindlich, helfen eine weiche Zahnbürste, mehrmals täglich eine antibakterielle Mundspülung und Gurgeln mit Kamillen- oder Salbeitee. Bei metallischem Geschmack empfiehlt der OKIJU-Ratgeber Plastikbesteck sowie Zitronenwasser oder -bonbons. Du findest hier auch weitere nützliche Tipps für den Fall, dass einfach nichts mehr schmeckt:
- Lustprinzip: Iss, worauf du Appetit hat. Ausgewogen ist zwar wichtig, aber die Kalorienzufuhr auch, um dein Gewicht zu halten.
- Fünf bis sechs kleine Mahlzeiten am Tag werden besser vertragen als drei große.
- Speisen lange kochen, damit sie zart und leicht zu kauen sind.
- Kräuter bringen Geschmack und Farbe ins Essen – das Auge isst mit.
- Auf scharfe Gewürze verzichten, um die Mundschleimhaut zu schonen.
Bei einem wunden Mund kann übrigens auch das Lutschen von Eiswürfeln guttun. Wichtig ist außerdem, dein Gewicht möglichst stabil zu halten, weil dein Körper die Energie gerade braucht. Melde dich beim Team, wenn du immer wieder erbrichst oder kaum trinken kannst – warte nicht, bis fast nichts mehr geht.
Erschöpfung ist nicht einfach nur Müdigkeit
Vielleicht schläfst du viel und bist trotzdem platt. Der britische Bone Cancer Research Trust erklärt den Unterschied richtig gut:
„Fatigue ist etwas anderes als Müdigkeit. Müde werden wir alle. Fatigue dagegen ist ein Gefühl von Energielosigkeit, obwohl es dafür eigentlich keinen Grund gibt. Und es verschwindet auch nach langem Schlaf nicht.“
— BCRT-Ratgeber
Das Gute: Du kannst etwas tun. Studien zeigen, dass Bewegung und Aktivbleiben gegen Fatigue helfen, während dauerndes Ausruhen sie eher schlimmer macht. Plane also – im Rahmen dessen, was dein Team erlaubt – kleine Dinge ein: einen kurzen Spaziergang an der frischen Luft, einkaufen mit Freund:innen, gemeinsame Spiele mit der Familie, Musikhören in einem anderen Zimmer, Buchlesen im Park. Auch praktisch? Ein Mini-Energie-Tagebuch, in dem du festhältst, wie viel Energie du heute hattest, was dir geholfen hat und was eher nicht. So kannst du deinem Team genauer erzählen, wie es dir geht.
Wenn der Kopf im Nebel ist: Chemo-Brain
Vielleicht kennst du das: Wörter, die dir nicht einfallen, ein Termin, der einfach weg ist, oder das Gefühl, dass dein Kopf wie in Watte gepackt ist. Für solche Konzentrations- und Gedächtnisprobleme während oder nach einer Krebstherapie gibt es einen Spitznamen – „Chemo-Brain“ oder „Nebel im Kopf“. Du bildest dir das nicht ein: Laut dem Krebsinformationsdienst des DKFZ haben rund 7 von 10 Krebspatient:innen im Verlauf ihrer Erkrankung solche kognitiven Beschwerden. Der Name führt allerdings ein bisschen in die Irre, denn meist spielen mehrere Dinge zusammen – nicht nur die Chemo, sondern auch Stress, schlechter Schlaf und Erschöpfung.
Das Gute: Meist bessert es sich nach der Therapie wieder, und im Alltag helfen ein paar einfache Tricks. Schreib Wichtiges auf, statt es dir merken zu wollen – ein Kalender und Erinnerungen im Handy nehmen Druck raus. Leg anspruchsvolle Aufgaben in die Tageszeit, in der dein Kopf am klarsten ist, und teile große Aufgaben in kleine Schritte. Und wenn dich die Vergesslichkeit stark belastet oder nicht nachlässt, sprich dein Behandlungsteam darauf an – das gehört genauso dazu wie körperliche Beschwerden.
Wenn die kahle Kopfhaut schmerzt
Haare, Augenbrauen, Wimpern – der Haarausfall ist für viele die Nebenwirkung, die sie am meisten trifft. Er beginnt meist wenige Tage bis Wochen nach dem Chemostart. Und was hilft, ist ganz verschieden: eine Mütze, ein Tuch, eine Perücke – oder der Kopf bewusst kahl, weil du das so entscheidest. Manche kommen dem Ausfall zuvor und rasieren sich vorher die Haare ab. Für die kahle Kopfhaut, die spannen oder empfindlich sein kann, empfiehlt der OKIJU-Ratgeber folgendes:
- ein weiches Tuch auf dem Kopfkissen
- kühlende, milde Pflege mit Aloe Vera, die entzündungshemmend wirkt
- Johanniskrautöl bei Kopfschorf
Der wichtigste Satz zum Festhalten: In aller Regel wachsen die Haare nach dem Ende der Chemo wieder nach. Wenn du eine Perücke möchtest, frag früh dein Team oder die Sozialberatung – oft übernimmt die Krankenkasse einen Teil der Kosten.
Der Knochen bestimmt, was gerade sicher ist
Beim Knochensarkom sitzt der Tumor direkt im Knochen und kann ihn instabil machen. Schon vor der OP kann es Belastungsregeln geben und nach der OP müssen Knochen und Gewebe heilen. Lass dir von der Tumororthopädie und der Physiotherapie genau erklären:
- Darf ich voll, teilweise oder gar nicht belasten?
- Welche Bewegungen soll ich vermeiden?
- Bei welchen Schmerzen soll ich sofort anrufen?
Begriffe wie „Teilbelastung“ sind schwer einzuschätzen – lass es dir zeigen und übe es noch vor Ort. Bei plötzlich stärkeren Schmerzen, einem Knacken, einer neuen Schwellung oder wenn die Wunde rot, heiß oder nässend wird, meldest du dich direkt.
Das kannst du dir merken
- Melde Beschwerden früh – vieles lässt sich besser behandeln, wenn dein Team rechtzeitig Bescheid weiß.
- Bei Fieber sofort anrufen: Notfallnummer und Fiebergrenze gehören ins Handy (Stichwort Neutropenie).
- Bei Übelkeit und wundem Mund helfen kleine Portionen, milde Speisen und gute Mundpflege.
- Fatigue ist nicht einfach Müdigkeit – passende Bewegung hilft mehr als dauerndes Ausruhen.
- Halte dich an die Belastungsvorgaben für den betroffenen Knochen und frag nach, wenn etwas unklar ist.
Quellen & weiterführende Infos
- Bone Cancer Research Trust (BCRT) – „Your guide to osteosarcoma“ – Ratgeber speziell für 16- bis 24-Jährige (UK, 2024, englisch) bcrt.org.uk/osteosarcoma
- OKIJU-Stiftung – Ratgeber „Knochenkrebs bei Kindern und Jugendlichen“ (2025); fachlich begleitet u. a. von Prof. Dr. Uta Dirksen, Prof. Dr. Arne Streitbürger und Prof. Dr. Jendrik Hardes (WTZ Essen) sowie Prof. em. Dr. Heribert Jürgens (Uniklinik Münster) okiju-stiftung.de
- Krebsinformationsdienst (DKFZ) – „Was tun gegen Chemobrain?“ – kognitive Beeinträchtigungen bei Krebs krebsinformationsdienst.de
- LESS – Spätfolgen der Medikamentenbehandlung – substanzbezogene Infos, u. a. zu Cisplatin, Methotrexat und Ifosfamid nachsorge-ist-vorsorge.de
- Kinderkrebs-Zentrum Hamburg – Patientenbroschüre der Klinik für Pädiatrische Hämatologie und Onkologie kinderkrebs-hamburg.de