„Denk daran: Deine Persönlichkeit wird durch den Krebs nicht verändert.“
— BCRT-Ratgeber (übers.)
Worauf dieser Artikel beruht: auf dem Körperbild-Kapitel des BCRT-Ratgebers für junge Betroffene und den Rekonstruktions-Infos des OKIJU-Ratgebers. Alle Quellen findest du am Ende.
Das erfährst du in diesem Artikel
- warum Narben und Prothesen für dich Themen sein können
- was eine Narbe und eine Prothese im Alltag mit dir machen
- wie sich dein Körperbild verändern kann – und dass das normal ist
- was hilft, wenn Blicke oder Fragen nerven, und beim Thema Dating
Warum Narben und Prothesen ein Thema sein können
Beim Knochensarkom wird der Tumor meist operiert. Je nachdem, wo er sitzt, kann eine sichtbare Narbe bleiben. Manchmal wird ein Teil des Knochens ersetzt – dann kommt eine Endoprothese in den Körper. In manchen Fällen ist eine Amputation nötig; danach kann eine äußere Prothese (Exoprothese) Bewegungen wieder möglich machen. Das sind keine kleinen Themen – es geht um deinen Körper und manchmal die Frage, wie du dich selbst wiedererkennst. Über die Unterschiede der Prothesenarten kannst du dich u.a. im OKIJU-Ratgeber informieren.
Wie sich dein Körperbild verändern kann
Typische Veränderungen sind Narben, der Verlust eines Körperteils, Taubheitsgefühle, Gewichtsschwankungen, Haarausfall und Erschöpfung. Entscheidend ist oft nicht, wie viel man sieht, sondern wie es sich anfühlt:
„Auch wenn du für andere nicht anders aussiehst, kann es sein, dass du dich in deinem Körper unsicher fühlst. Und nicht alle Veränderungen sind schlecht: Manche Menschen erleben ihr Körperbild sogar positiver – zum Beispiel, weil sie merken, wie stark ihr Körper ist.“
— BCRT-Ratgeber (übers.)
Ein Punkt, der also schnell untergeht: Ein verändertes Körperbild zeigt sich nicht nur im Spiegel, sondern auch im Alltag. Manche fühlen sich unsicher, wenn Kleidung anders sitzt, ziehen sich von Sport, Schwimmbad oder Umkleiden zurück oder vergleichen sich ständig mit früher. Das ist völlig verständlich – und es lohnt sich, genau hinzuschauen: Was davon ist wirklich eine körperliche Grenze, und was ist die Angst vor Blicken? Oft ist mehr möglich, als man sich im ersten Moment zutraut. Und wenn dich das Thema stark belastet, ist psychoonkologische Unterstützung ein guter Weg.
Was eine Narbe mit dir machen kann
Eine Narbe ist medizinisch gesehen Gewebe, das nach einer OP heilt. Wie du dich damit fühlst, ist oft weniger sachlich: Für manche ist sie ein Zeichen dafür, was sie überstanden haben; manche wollen sie verstecken, andere zeigen sie irgendwann bewusst. Narben können ziehen, jucken oder sich taub anfühlen und sich über Monate verändern. Wenn eine Narbe stark schmerzt, rot wird, nässt, anschwillt oder plötzlich anders aussieht, lass es abklären – nicht aus Panik, sondern weil Hinschauen wichtig ist.
Wie Prothesen wirken
Eine Endoprothese sitzt im Körper und ersetzt einen Teil des Knochens oder ein Gelenk. Von außen sieht man sie meist nicht, trotzdem kann sie beeinflussen, wie belastbar ein Arm oder Bein ist. Eine äußere Prothese wird außen getragen und hilft beim Gehen oder Greifen. Am Anfang kann sich eine Prothese fremd anfühlen, drücken oder müde machen. Mut macht die Erfahrung, dass nach Anpassung und Training vieles wieder geht – Vorbilder sind zum Beispiel Athlet:innen, die bei den Paralympics Höchstleistungen erzielen. Mögliche Komplikationen wie Infektionen, Materialverschleiß oder eine Lockerung sind bekannt und behandelbar. Wenn also etwas drückt, scheuert oder wehtut, ist das nichts, was du aushalten musst – sag es.
Was im Alltag hilft
Vieles wird leichter, wenn du es Schritt für Schritt angehst – körperlich wie im Kopf. Diese Dinge werden in den Ratgebern empfohlen:
- Fang klein an. Trag die Prothese erst zu Hause oder auf kurzen Wegen und finde heraus, welche Hilfsmittel für dich wirklich funktionieren.
- Achte auf bequeme Kleidung, die nicht scheuert – und teste in Ruhe, was sich gut anfühlt.
- Pflege deine Narben. Frag dein Team, deine Physio oder die Reha nach Narbenmassage, passender Pflege oder Sonnenschutz.
- Halt nichts aus, was wehtut oder einschränkt. Vieles lässt sich anpassen – sag es, statt es zu ertragen.
- Nach einer Amputation: Eine gründliche Stumpfpflege und die Kompressionstherapie sind wichtig für den Sitz der Prothese.
- Bei Phantomschmerzen (Schmerzen im wegoperierten Körperteil) sprich dein Team direkt an: Neben Medikamenten helfen moderne Methoden wie die Spiegeltherapie oder spezielle TENS-Geräte oft sehr gut.
- Sprich mit anderen Betroffenen – so hörst du, wie sie mit ähnlichen Situationen umgegangen sind.
- Übe Antworten auf mögliche Fragen vorher einmal mit einer Freundin oder einem Freund. Das nimmt Druck raus.
- Probier Neues aus. Geht eine Aktivität oder Sportart nicht mehr, findet sich oft eine neue, die Spaß macht – das gibt Selbstvertrauen zurück.
Wenn andere schauen oder fragen
Andere reagieren nicht immer sensibel. Nimm es nicht zu persönlich: Oft wollen Leute nicht verletzen, sie wissen einfach nicht, was sie sagen sollen. Ein kurzer, vorbereiteter Satz nimmt dir Druck: „Das ist von meiner Krebsbehandlung.“ oder „Darüber möchte ich gerade nicht reden.“ Du darfst je nach Situation anders reagieren – einer guten Freundin erzählst du mehr als jemandem in der Umkleide. Wichtig ist nicht, immer offen zu sein, sondern dass du selbst entscheidest, wer welche Version deiner Geschichte bekommt.
Dating, Nähe und dieses „Wann sage ich’s?“
Narben oder körperliche Veränderungen können beim Dating eine Rolle spielen – manchmal direkt, manchmal später. Du musst nicht alles beim ersten Treffen erzählen. Gleichzeitig kann frühes Ansprechen entlasten, wenn du sonst ständig darauf wartest, dass es „rauskommt“. Es gibt nicht den einen richtigen Zeitpunkt, nur den, der dir am meisten Sicherheit gibt. Gerade bei Nähe darfst du sagen, was sich gut anfühlt und was nicht. Wenn jemand deine Grenze nicht ernst nimmt, sagt das mehr über diese Person aus als über deinen Körper. Und wenn dich dein Körperbild stark beschäftigt, ist psychoonkologische Unterstützung ein sinnvoller Schritt.
Das kannst du dir merken
- Deine Persönlichkeit ändert sich durch den Krebs nicht – auch wenn dein Körper anders aussieht.
- Ein verändertes Körpergefühl ist normal; manche erleben es mit der Zeit sogar positiver.
- Wenn etwas drückt, scheuert oder wehtut: nicht aushalten, sondern Reha, Physio oder Orthopädietechnik ansprechen.
- Nach Anpassung und Training ist vieles wieder möglich – Para-Athlet:innen sind ein starkes Beispiel.
- Übe Antworten auf neugierige Fragen vorher – du entscheidest, wem du was erzählst.
- Belastet dich dein Körperbild, ist psychoonkologische Unterstützung ein guter Schritt.
Quellen & weiterführende Infos
- Bone Cancer Research Trust (BCRT) – „Your guide to osteosarcoma“ – Ratgeber speziell für 16- bis 24-Jährige (UK, 2024, englisch) bcrt.org.uk/osteosarcoma
- OKIJU-Stiftung – Ratgeber „Knochenkrebs bei Kindern und Jugendlichen“ (2025); fachlich begleitet u. a. von Prof. Dr. Uta Dirksen, Prof. Dr. Arne Streitbürger und Prof. Dr. Jendrik Hardes (WTZ Essen) sowie Prof. em. Dr. Heribert Jürgens (Uniklinik Münster) okiju-stiftung.de
- LESS – Spätfolgen – Überblick zu körperlichen und psychosozialen Spätfolgen nach Krebs im Kindes- und Jugendalter (UKSH Lübeck) nachsorge-ist-vorsorge.de/spaetfolgen
- Deutsche Kinderkrebsstiftung – Beratung, Broschüren, Elterngruppen und Nachsorge-Angebote kinderkrebsstiftung.de